Übersicht: Ebay übernimmt Magento

Veröffentlicht: 30. Juni 2011 in magento
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Viel wurde in den letzten Wochen in den einschlägigen Blogs geschrieben, viel wurde in der Community, bei Agenturen und nicht zuletzt auf Kundenseite diskutiert, welche Auswirkungen diese Übernahme nun schlußendlich hat. Für ein abschließendes Fazit ist es sicherlich noch zu früh, für eine erste Bestandsaufnahme aber ein guter Zeitpunkt.

Magento Inc. war nicht immer Magento, sondern hiess bis 2010 Varien. Als Beratungs- und Softwareunternehmen mit einer langjährigen, aber eher unauffälligen Geschichte lag der Schwerpunkt bis 2007 auf osCommerce. Die Ursprungsidee war, ein Fork von osCommerce zu erstellen, das Endergebnis kennen wir heute als Magento, Entwicklungsbeginn war Anfang 2007, 7 Monate später dann die erste öffentliche Betaversion, die einschlug wie eine Bombe. Der Rest ist sozusagen Geschichte.

Magento selbst schreibt in einer Pressemitteilung vom Anfang des Jahres

Das E-Commerce-Unternehmen wächst um 350% – weltweit setzen mehr als 80.000 Händler Magento ein und erwirtschafteten insgesamt über 25 Mrd. $ Umsatz

Magento, und allen voran Roy Rubin, betonten immer wieder die Unabhängigkeit von Magento gegenüber den „Big Playern“ wie Amazon, GSI oder Ebay. Das muss man wissen, um die Reaktion im Markt zu verstehen. Zunächst wurde im Februar bekannt, das Ebay über die Tochter Paypal 49% an Magento hält. Das erste Glaubwürdigkeitsproblem hierbei: Diesen Anteil hält Paypal seit Februar 2010, also zum Zeitpunkt der Meldung seit knapp einem Jahr. Die bessere Integration von Paypal in Magento war in Anwender- und Agenturkreise bereits aufgefallen, nun wurde es offiziell. Wie gesagt, trotz monatelanger Beteuerungen, das Magento unabhängig bleiben wollte. Interessant in dem Zusammenhang, das statt der zunächst kommunizierten 22,5 Mio. US-$ wohl um die 90 Mio US$ geflossen sein sollen.

Nach monatelangen Dementis und einer fröhlich brodelnden Gerüchteküche dann am 10.Juni 2011 die Bestätigung: Ebay wird noch in 2011 auch den Rest von Magento übernehmen, für 180 Mio. US-$, kein ganz kleiner Deal.

Laut offizieller Seite soll Magento gemeinsam mit Paypal Bestandteil von X.Commerce werden, laut eigener Aussage eine Plattformlösung, die den OpenSource-Gedanken von Magento weitertragen soll. Ob das in der Realität Bestand haben wird oder nicht, wird die Zeit zeigen.

X.commerce is one of the first platforms to enable developers, merchants and service providers to create innovative solutions in the commerce space. Using an open source environment, X.commerce offers the fundamental technologies needed for end-to-end commerce – shopping carts, payment services, inventory management, marketplace integration, SEO, tax guidance and more, all in one location.

Ebay ist in der Vergangenheit nicht immer durch eine plausible Strategie aufgefallen, im Gegenteil. Im Frühjahr wurde bereits eine Neuausrichtung angekündigt, die Ebay mehr in Richtung Amazon führen soll. Dies war ein weiterer Grund, warum der Ebay-Magento-Deal nicht nur positiv aufgenommen wurde, im Gegenteil, er führte zu Verunsicherungen insbesondere bei Kunden, die mit Magento arbeiten.

Josef Willkommer von techdivision führt in diesem Zusammenhang eine Umfrage durch, die gerade aus Sicht einer Agentur wichtig für die strategische Ausrichtung ist, die aber in jedem Fall einen guten Einblick in die Gemütslage der Magento-Community geben wird. Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein. In dem Zusammenhang sei auch auf Josefs hervorragende Zusammenfassung der aktuellen Lage verwiesen. Gerade die Anfangszeit und die ersten Projekte hat wohl jeder, der mit Magento früh in Berührung kam, so oder ähnlich miterlebt. Grundsätzlich schließe ich mich den Kollegen bei techdivision an, wenn ich schreibe, das ich ebenfalls vorsichtig optimistisch nach vorne sehe.

Magento könnte in vielen Bereichen ein wenig von der Professionalität von Paypal und Ebay vertragen, da hat es in der Vergangenheit immer wieder Defizite gegeben. Ebay dagegen erhält eine der leistungsfähigsten Plattformen (und Magento ist eine Plattform, kein 1&1-Komplettpaket, das wird immer wieder gerne vergessen) mit einer sehr starken Community im Rücken. Ergibt aus meiner Sicht zusammen mit X.Commerce ein spannendes und starkes Gesamtpaket.

Ich jedenfalls freue mich auf viele weitere Magento-Projekte.

Magento für Marken – D2C

Veröffentlicht: 20. Juni 2011 in magento
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Disclaimer vorweg: Ich bin Mitarbeiter von next commerce und es geht hier um eines unserer Produkte. Geld bekomme ich dafür nicht, ich schreibe darüber, weil ich überzeugt bin, hier für einen relativ großen Leserkreis eine interessante Lösung aufzeigen zu können. Dies ist mein Blog, die Kollegen von SinnerSchrader schreiben unter http://radicalmonday.posterous.com/

Der direkte Kontakt zu Kunden wird für Marken immer selbstverständlicher. Sei es über Facebook, Twitter, Blogs oder direkt über eigene Online-Shops, viele neue Wege werden beschritten und stellen Unternehmen und auch Agenturen vor neue Herausforderungen. Oftmals bedeutet dies für Unternehmen eine grundsätzliche Neuordnung der Unternehmensstrategie, weg vom klassischen Geschäft mit Händlern, hin zum direkten Geschäft mit Kunden, ohne dabei den notwendigen Fokus auf den Handel zu verlieren. Das Geschäft mit Endkunden, insbesondere wenn die offene Kommunikation mit diesen Teil der Strategie ist, bringt völlig neue Fragen und Aufgabenstellung mit sich.

Dem Thema Kommunikation werde ich mich zu einem späteren Zeitpunkt widmen, hier geht es speziell um den technischen Teil.

Schon vor mehr als einem Jahr hatte Alexander Ringsdorff, seinerzeit CEO von Visions New Media in Hannover, die Idee, eine Plattform, basierend auf Magento, zu erstellen, die sich konkret den Herausforderungen des D2C, also des „Direct-to-Consumer“-Geschäftes widmete. Nach Übernahme der Geschäfte von Visions durch next commerce, eine Tochter der SinnerSchrader AG in Hamburg, wurde die Idee von Alex Ringsdorff weiter vorangetrieben und stellt heute die Basis vieler Neuentwicklungen auf Basis von Magento dar, die next commerce erstellt. Ebenso fliesst dieses Wissen in die Shops unserer Bestandskunden ein und hilft, diese noch besser und performanter aufzustellen.

Um zu verstehen, was D2C genau ist, hier eine Übersicht über die Komponenten:

next commerce bietet exakt auf den Bedarf des D2C-Geschäftes zugeschnittene Module, die im Zusammenspiel mit allen anderen Plattformen und Komponenten eine sehr schnelle Integration und damit ein „Go-to-market“ innerhalb einer sehr kurzen Zeit ermöglicht.

Technische Details

Ein Beispiel hierfür ist ein Frontend, welches im Gegensatz zum klassischen Magento „out of the box“ nur noch mit JQuery arbeitet und damit deutlich schlanker und performanter ist. Magento selbst wird voraussichtlich erst Mitte 2012 mit einer entsprechenden Lösung erscheinen, wenn Version 2.0 fertig ist.

Ein weiteres Beispiel sind vordefinierte, hochperformante Filtermodule, die basierend auf den Erfahrungen der Projekte der letzten Jahre entwickelt wurden und den Kunden eine schnellere und performantere Übersicht über den Shop und seine Artikel ermöglicht.

Services

D2C ist auf den ersten Blick eine erweiterte Magento-Plattform. Dies ist zunächst einmal korrekt, aber nicht ganz. D2C bedeutet auch, das next commerce quasi „on top“ ein breites Spektrum an Leistungen anbietet, die auf die technischen Möglichkeiten der Plattform aufbauen. Unterschieden wird hier nach dem Grad der Eigenleistung des Shopbetreibers und demzufolge den entsprechenden Leistungen, die next commerce für den Kunden erbringt.

Hierzu noch eine Übersicht:

Weitere Informationen unter http://www.next-commerce.com/d2c.html

Magento 2 Preview by Dimitri Gatowski

Veröffentlicht: 20. Juni 2011 in magento
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Mein geschätzer Kollege Dimitri Gatowski hat einen sehr umfangreichen Artikel zum nächsten großen Magento Release geschrieben.

In Englisch und sehr lesenswert

Hier gehts lang: http://dimitrigatowski.com/2011/06/19/magento-2-preview/

Spannend auch der aktuelle Bezug auf unsere next commerce D2C-Plattform, die viele kommende Erweiterungen bereits beinhaltet.

Einmal Scannen und Digitalisieren bitte

Veröffentlicht: 11. Juni 2011 in Internetausdrucker, Politik, www
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Mal schnell was komplett anderes. Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht, aber wenn ich Artikel lese, die irgendwas mit dem Thema Internet im weitesten Sinne zu tun haben, lese ich die besonders kritisch. Und dann frage ich mich manchmal, ob der Autor schlicht keine Ahnung hat oder evtl. einfach nur schlampig und schnell abgeliefert werden musste.

Marc Pitzke vom Spiegel, dessen Artikel ich eigentlich gern lese, hat jetzt so einen „Klopper“ gebracht. Ich hoffe, er hatte einfach nur keine Zeit 🙂

Internetausdrucker … alle zusammen.

Datenschutz als Abmahn-Risiko für Werbekunden

Veröffentlicht: 10. Juni 2011 in Politik, www
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Datenschutz, d.h. der Schutz meiner persönlichen Daten vor missbräuchlicher Verwendung, ist ein hohes und durch die Verfassung geschütztes Gut. Das Bundesverfassungsgericht definierte bereits 1983 in seinem Urteil zur Volkszählung wie folgt:

„Das Grundrecht gewährleistet insoweit die Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen. Einschränkungen dieses Rechts auf „informationelle Selbstbestimmung“ sind nur im überwiegenden Allgemeininteresse zulässig.“

Das sich international agierende Internetunternehmen mitunter flexibel in der Auslegung und Anwendung von Datenschutzgesetzen zeigen, ist deutschen Datenschützern schon lange ein Dorn im Auge. Da wir aber in Deutschland, trotz aller Debatten der letzten Jahre, immer noch in einer Demokratie mit dem Recht auf freien Zugang zu Informationen und damit auch zu den Inhalten des Internets leben, ist der Konflikt vorprogrammiert. Facebook und Co. testen seit Jahren immer wieder die Grenzen des Machbaren aus und sind damit erfolgreich, nicht zuletzt, weil der Nutzen, den der Verbraucher durch personalisierte Informationen hat, in vielen Fällen schlicht die Nachteile überwiegt.

Eine kritische Beobachtung und Bewertung der Entwicklungen in diesem Bereich ist durchaus zu begrüßen. Jetzt aber schiesst das Verbraucherschutzministerium von Frau Aigner den Vogel mit einem Vorschlag ab, der zeigt, wie wenig (immer noch) Verständnis in der Politik für internationalen Wettbewerb und Marketingformen vorhanden ist.

Frau Aigner schlägt, wie unter anderem auf Spiegel Online und im Lawblog zu lesen ist, allen Ernstes vor, das Werbekunden, die auf Plattformen werben, die nicht im Einklang mit den deutschen Datenschutzrichtlinien sind, abgemahnt werden können. Konkret bedeutet das, das jedes Unternehmen, das bei Facebook, Google, Yahoo, Digg und vielen anderen Anbietern Werbung schaltet, die personalisiert auf bestimmte Kundengruppen zielt, durch Mitbewerber abgemahnt werden kann. Wie realitätsfern das ist, kann sich nun jeder recht einfach selbst ausmalen, der auch nur ein wenig von der Materie versteht. Das Abmahnunwesen stellt heute bereits ein nicht unerhebliches Problem speziell für im Internet aktive Unternehmen dar. Sollte diese Regelung wirklich Gesetz werden, würde damit mit einem Schlag ein riesiger Markt mit einem derart hohen Risiko für die Werbenden behaftet, das vielen Unternehmen schlicht die Grundlage entzogen würde. Gerade kleinere Unternehmen profitieren von den preiswerten Möglichkeiten, zielgenaue Kampagnen über Social Media Plattformen und Suchmaschinen durchzuführen. Ihnen würde ein wichtiger Bestandteil ihrer Strategie schlicht entzogen.

Ob Frau Aigner sich mit ihrem Vorstoss durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Widerstand wird es mit Sicherheit dagegen geben.

Bildquelle: morgueFile

turntable.fm: The next big thing?

Veröffentlicht: 5. Juni 2011 in trends, www
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Samstag Abend im Norden Deutschlands. Die meisten meiner Freunde und Bekannten sitzen jetzt wahrscheinlich entweder im Biergarten und geniessen das schöne Wetter oder kucken sich Stefan Raab an.

Ich habe mich entschieden, meinen Abend in  der Disko zu verbringen. Gemeinsam mit netten Menschen aus San Francisco, Montreal und Hannover. Und wenn der DJ ein Stück auflegt, was mir nicht passt, dann klicke ich einfach auf „Lame“ und das nächste Stück wird gespielt. Moment, wieso klicken? Ganz einfach, diese Disko befindet sich weder in San Francisco oder in Montreal und erst Recht nicht in Hannover, diese Disko heisst turntable.fm und ist ein neuer Online-Dienst.

Am 21.Mai 2011 wurde unter http://www.facebook.com/turntable.fm die erste Nachricht geschrieben. Aktuell hat turntable.fm bei Facebook 841 Fans, Tendenz steigend. Das ist also alles noch sehr frisch, die Farbe noch nicht ganz trocken und viele Funktionen, die schön wären, sind noch nicht vorhanden.

Oder, um es auf den Punkt zu bringen: turntable.fm ist Beta, wenn überhaupt. Aber, und das fasziniert mich: Bereits mit den jetzt vorhandenen rudimentären Funktionen hat turntable.fm ein derartiges Suchtpotential, das ich durchaus vom „next big thing“ spreche.

Was genau ist turntable.fm nun?

Man nehme folgende Zutaten:

1. Eine Webseite, die quasi ein Portal für eine aktuell unbegrenzte Anzahl von Räumen ist. Diese Räume werden von den Usern selbst angelegt und soweit mir aktuell bekannt, auch nicht wieder entfernt. Die Anlage ist sehr simpel gehalten, schnell einige Einstellungen vornehmen und schon kann es losgehen.

2. Musik: Es gibt aktuell zwei Wege, Musik in die Playliste zu bekommen:

  • Entweder direkt über die integrierte Suchfunktion, die, wie das meiste andere auch, sehr einfach gehalten ist, aber schon ganz passable Ergebnisse liefert. Die Musik kommt dann vom Streaming-Service MediaNet, den Nutzer kostet das keinen Cent.
  • Oder: die Musik wird aus der eigenen Bibliothek hochgeladen, das funktioniert noch nicht ganz sauber, erlaubt aber bereits „bundled uploads“ und das in einer recht passablen Geschwindigkeit.

3. Zuhörer und weitere DJs: Jetzt kommt der Clou: Jeder, der bei turntable.fm mitmacht (wie das geht, dazu gleich mehr), ist zum Einen Zuhörer und kann von Raum zu Raum wandern und dort Musik hören. Zum Anderen aber bietet jeder Raum bis zu 5 DJ-Plätze, an denen jeder Nutzer Platz nehmen kann.

4. den Wettbewerb: Die DJs spielen jetzt der Reihe nach ihre Musik aus der vorher angelegten Playlist. Das Publikum kann nun diese Lieder bewerten, entweder ist etwas „awesome“ oder „lame“, dazwischen gibt es nicht. Für jedes „awesome“ bekommt der DJ nun einen Punkt und eine Nadel in einer Skala wandert ein Stück nach rechts, für jedes „lame“ gibt es keine Punkte, aber die Nadel rutscht ein Stück nach links. Sollte die Mehrheit sich für „lame“ entscheiden, dann bricht das Stück ab und der nächste DJ ist an der Reihe.

Das wars schon. Mit den Punkten kann man sich andere Avatare zulegen, mehr nicht. Die Übergänge zwischen den Songs sind abgehackt. Man hat nur eine Playlist ohne irgendwelche erweiterten Funktionen. Und trotzdem, es macht einfach einen Wahnsinnsspaß.

Wie kommt man nun in turntable.fm rein und kann das ausprobieren?

Zur Zeit geht das entweder über eine Warteliste, auf der man sich eintragen kann, oder über Facebook. Der Trick: Man muss jemanden bei Facebook als Freund haben, der bereits bei turntable.fm dabei ist. Facebook-Connect erkennt das automatisch und erstellt einen Zugang. Extrem einfach gemacht.

Wieso „the next big thing“?

turntable.fm vereint auf einfache, aber geniale Weise einige aktuelle Trends:

  • Gamification, also das Einbinden von spielerischen Elementen z.B. im Shopping-Bereich. turntable.fm ermöglicht die direkte Verknüpfung z.B. zu iTunes, last.fm und spotify, ausserdem kann jeder Song direkt zur eigenen Playlist hinzugefügt werden. Innerhalb kürzester Zeit sammeln sich so diverse Musikperlen in der Playlist, die man bisher nicht kannte. Also: auf spielerischem Weg neue Produkte, in diesem Fall Musik, bekannt machen und verkaufen.
  • Social Media: Ich kann jederzeit über Facebook oder Twitter Freunde und Follower in meinen Raum bei turntable.fm einladen. Da diese bereits mit mir befreundet sind, können diese auch sofort teilnehmen.

Grundsätzlich bietet turntable.fm ein riesiges Potential. Ich hoffe, das dieser Dienst weiter optimiert wird und auch von Deutschland aus verfügbar bleibt. Die Musikindustrie scharrt bestimmt schon mit den Hufen.

Office Dogs

Veröffentlicht: 6. März 2011 in Office

Mein Kollege Kai macht neben 1000 anderen Sachen auch tolle Fotos. Unter anderem von unserem neuesten Teammitglied bei next commerce, Leni, 10 Wochen alt und einfach nur süss.

Wieso Projekte emotional werden

Veröffentlicht: 5. März 2011 in Emotionen
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Ein Projekt ist nach allgemein anerkannter Definition zunächst einmal sehr überschaubar. Es handelt sich um einen einmaligen Vorgang, der ein oder mehrere klar definierte Zielsetzungen hat und der sich vor allem durch eine besondere Eigenschaft vom Tagesgeschäft unterscheidet: Ein Projekt hat immer einen definierten Anfang und ein definiertes Ende. Diese beiden Punkte stellen die wesentlichen Meilensteine eines Projektes dar.

Wenn sich ein Unternehmen dazu entscheidet, ein Projekt aufzusetzen, kann dies unter vielfältigen Voraussetzungen geschehen.  Ein Projekt wird, so zumindest die Idealtheorie, niemals zu seinem reinen Selbstzweck aufgesetzt, sondern verfolgt immer und grundsätzlich ein klar definiertes Ziel. Dieses Ziel kann sich aus mehreren Unterzielen definieren. Ausschlaggebend ist, das ein Ziel klar spezifizierbar ist, das es über messbare Größen oder Bedingungen bestimmt werden kann, kurz, das ein messbarer Projekterfolg vorhanden ist.

All dies sind extrem kalte, sachliche und harte Faktoren, die schlussendlich, völlig unabhängig von Branche und Zielsetzung eines Projektes, emotionsfrei sind. Erst der Faktor Mensch, ohne den ein Projekt nun einmal nicht funktioniert, bringt neben Wissen, Zielstrebigkeit und Können den wichtigsten Faktor in ein Projekt, das Salz in der Suppe quasi, die Emotion.

Emotionen, also Gefühle und Gefühlsäußerungen sind zunächst einmal völlig wertfrei, sie können sowohl positiv als auch negativ besetzt sein, sie können ein  Projekt voranbringen, weil alle Beteiligten mit Herzblut bei der Sache sind, sie können aber auch ein Projekt scheitern lassen, weil die negativ besetzten Emotionen Überhand gewinnen und persönliche Differenzen wichtiger werden als die eigentliche Zielsetzung des Projektes.

Nochmals zum Verständnis: Ein Projektziel, so schön, herausfordernd und spannend es auch sein mag, ist niemals, in keinster Weise, emotional. Ein Projektziel „Erhöhung des Outputs um 5% in 12 Monaten“ ist messbar und am Ende der Projektlaufzeit eine klare Vorgabe, anhand dessen die Verantwortlichen den Erfolg oder Misserfolg des Projektes bewerten können. Eine Emotion wie „Glück“ oder „Frust“ lässt sich zwar beschreiben, ist aber nicht mit wissenschaftlichen Methoden mess- und bewertbar. Letztendlich zählt für den Erfolg eines Projektes nur der messbare Erfolg. Welche Arten von Emotionen es gibt und wie diese den messbaren Erfolg eines Projektes beeinflussen, will das nächste Kapitel aufzeigen.

Warum aber werden Projekte emotional, wenn es doch in erster Linie darum geht, messbare Ergebnisse zu erzeugen? Warum ist es für die Projektverantwortlichen so schwierig, Emotionen aus ihrem eigenen Tun und Handeln und aus dem ihrer Mitarbeiter herauszuhalten und sachlich und zielorientiert am Projekterfolg zu arbeiten?

Emotionen sind eine sehr menschliche Eigenschaft. Tierpsychiologen sagen, das es Tieren zwar möglich sei, Freude oder Angst auszudrücken, aber die wirkliche Empfindung, Einordnung und Art des Ausdrucks einer unendlichen Palette von Gefühlen dem Menschen vorbehalten bleibt.

Der Mensch ist in der Lage, Gefühle gezielt einzusetzen und seinen Gefühlen entgegenzusteuern, ja selbst durch gezielte Autosuggestion Emotionen von einem in einen anderen Zustand übergehen zu lassen.

Projekte sind messbar. Dies bringt, neben allen Vorteilen, auch einen immensen Druck für alle Beteiligten mit. Projektcontrolling ist im Laufe der Jahre immer besser und detaillierter geworden, mittels leistungsfähiger Tools kann jede Minute eines Projektes erfasst und detailliert analysiert werden.

Dies hat zu immer enger kalkulierten Projekten geführt, die mit kleiner werdenden Teams die selben oder höher gesteckte Ziele erreichen sollen. Klar, wer heute an Projekten arbeitet, steckt in einem sehr engen Korsett aus Kosten und Zeit, aber sein wir doch einmal ehrlich:

Wer vor 30 Jahren Projekte gemacht hat, hatte nicht einmal ansatzweise die Werkzeuge und Möglichkeiten an der Hand, die ein heutiger Projektmanager zur Verfügung hat.

Diese Aussage ist grenzwertig, Sie reagieren emotional, vermutlich ablehnend. Fakt ist, das diese Aussage sachlich absolut korrekt ist. Fakt ist aber auch, das diese Aussage einen wichtigen Faktor komplett vernachlässigt: Die Menschen haben zwar versucht, sich im Laufe der letzten Jahrzehnte an die gestiegene Geschwindigkeit anzupassen, aber jeder Mensch hat seine Grenzen, die früher oder später erreicht werden. Was passiert, wenn diese Grenzen überschritten werden, werde ich zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgreifen.

Beschränken wir uns hier zunächst einmal auf die Ausgangsfrage: Warum werden Projekte emotional? Die Frage müsste eigentlich heissen: Warum werden Projektmitarbeiter emotional? Warum freuen wir uns, wenn ein Projektabschnitt erreicht ist? Warum ärgern wir uns, wenn der Vertragspartner nicht rechtzeitig liefert? Warum haben wir Angst, unserem Vorgesetzten zu berichten, das der Projektpartner nicht geliefert hat und wie reflektiert sich diese Emotion „Angst“ auf den nächsten Kontakt zu diesem Geschäftspartner?

Die Antwort darauf: Weil wir Menschen sind, die in einem stetigen Spannungsverhältnis stehen, weil wir permanent versuchen, unsere Position so sicher wie möglich zu gestalten und dabei vergessen, das nicht wir und unser Wohlbefinden das Ziel des Projektes sind, sondern das unser Wohlbefinden nur ein wesentlicher, wenn nicht der wichtigste Faktor zum Gelingen eines Projektes sind.

Negative Emotionen entstehen aus Unsicherheit oder Angst und können ein Projekt zerstören. Darüber sollte sich jeder Beteiligte absolut klar sein.

 

Projektblogger

Veröffentlicht: 20. Januar 2011 in Emotionen
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Wenn man seit 10 Jahren im Account- und Projektmanagement tätig ist, dann kommt irgendwann einmal der Tag, an dem man merkt, das man diesen Job schon sehr lange macht und bestimmte Verhaltens- und Herangehensweisen, seien es in Schulungen vermittelte oder der Lebens- und Berufserfahrung geschuldete, völlig selbstverständlich und automatisiert nutzt, ohne sie zu hinterfragen.

Wenn man dann in einem neuen Projekt mit Fragen und Problemstellungen konfrontiert wird, die ein Hinterfragen dieser Mechanismen erfordern, ja geradezu erzwingen, dann kommt man ins Grübeln. Das war einer der Auslöser für diesen Blog.

Dieses Blog handelt von Projekten im Bereich E-Commerce, unkonventionellen Herangehensweisen an schwierige Kunden und will Trends und aktuelle Entwicklungen aufzeigen. Ausserdem beschäftigt es sich mit einem Thema, welches gern unterschätzt wird, aber einen massiven Einfluss auf den Erfolg eines Projektes hat: Emotionen.

Ich freue mich auf einen regen Austausch.